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Die Qualität der Informationen Drucken E-Mail

Es ist unmöglich, die Qualität der Informationen im Internet zu beurteilen [1]

Die Qualität medizinischer Informationen im Internet schwankt erheblich [2]. Es gibt hervorragende Informationen, aber andere Informationen sind unvollständig, dienen Werbezwecken oder entsprechen schlichtweg nicht der Wahrheit. Wenn man bedenkt, welchen Einfluss solche Informationen auf die Gesundheit von Menschen haben können, so ist die Situation im Web diesbezüglich durchaus Besorgnis erregend – für den Arzt und auch für den Patienten selbst.

In den letzten Jahren wurden nicht weniger als 98 Instrumente zur Beurteilung der Qualität von Informationen im Internet entwickelt [3]. Von denen, die überlebt haben, verfügt die Mehrheit nicht über Kriterien, die eine Beurteilung ermöglichen würden. Schlimmer noch: Keines dieser Instrumente scheint validiert worden zu sein. Dies ist zwar bedauerlich, hat aber andererseits wohl keine schlimmen Folgen, weil die Internetbenutzer bei ihren Forschung über das Net diese Hilfsmittel nicht einsetzen [4].

Der Chefredakteur British Medical Journal , Tony Delamothe, bezieht hinsichtlich der Qualität von Informationen im Internet sehr deutlich Position [1, 5]: Er hält es einfach für unmöglich, die Qualität zu beurteilen. Mit Hilfe welches Instruments könnte man stichhaltig eine gute von einer schlechten Information unterscheiden, wo doch die Bedürfnisse so unterschiedlich sind und wo doch im Web dermassen unterschiedliche Informationen zu finden sind? Es gibt also derzeit keinen Standard dafür, was im Internet als eine qualitativ hochwertige Information zu bezeichnen ist. Weiterhin kann man sich fragen, ob es gerechtfertigt ist, dass man infolge der Leichtigkeit der Informationsverbreitung im Internet dieses neue Medium Kontrollmassnahmen unterwirft, die für keine andere Informationsquelle wie Radio, Fernsehen oder Zeitung gelten.

Ärzte und andere medizinische Berufskreise stehen den medizinischen Informationen im Internet äusserst reserviert gegenüber. Die Patienten (jedenfalls die in den USA) scheinen dort jedoch die Informationen zu finden, die sie suchen [6]: 99% von ihnen geben an, bei ihrer letzten Suche die Antwort auf ihre Fragen im Internet gefunden zu haben. 88% sagen, dass die so gefundenen Informationen zu einer gesundheitsbewussteren Lebenshaltung geführt haben. 94% der Personen, die die gewünschten Informationen gefunden haben, geben an, es sei leicht bzw. ziemlich leicht gewesen. In einem Punkt sind sich Patienten und Ärzte jedenfalls einig: Man muss die im Internet gefundenen Informationen mit Vorsicht betrachten (82% fürchten, bei der Suche auf Informationen aus nicht vertrauenswürdigen Quellen zu stossen).

Heisst dies, dass wir bezüglich der Qualität medizinischer Informationen im Internet nichts zu unternehmen brauchen? Das heisst es sicherlich nicht. Es hat sich gezeigt, dass die verschiedenen Beurteilungsinstrumente ihre Grenzen haben; also müssen neue Wege erforscht werden. Aktuell geht der Trend dahin, die Verfasser und Benutzer medizinischer Informationen stärker in die Verantwortung zu nehmen. Redakteure und Verfasser müssen qualitativ hochwertigere Informationen publizieren und die Leser müssen kritischer werden. Der letzte Punkt gilt natürlich für alle Benutzer von Informationen, also für Patienten und Ärzte zugleich.

Unsere derzeitige Position bezüglich der Qualitätsschwankungen der im Internet veröffentlichten Informationen lässt sich in drei Punkte zusammenfassen:

  • Die Erstellung qualitativ hochwertiger Informationen muss gefördert werden.
  • Man sollte nur qualitativ hochwertige Informationen verwenden.
  • Wir sollten stets kritisch sein.

 

Die Erstellung qualitativ hochwertiger Informationen

Ganz ohne Zweifel muss die Erstellung qualitativ hochwertiger Informationen gefördert werden. Es bleibt die Frage, wie dies erreicht werden kann. Sicherlich spielen in diesem Zusammenhang Initiativen wie z.B. die Stiftung „Health On the Net“ eine ernst zu nehmende Rolle. Die Charta dieser Stiftung enthält acht Grundsätze, die eine Website erfüllen muss, wenn sie sich das Logo „Health On the Net“ verdienen will. Die Charta fordert insbesondere, dass alle Informationen ausschliesslich von Gesundheitsexperten stammen dürfen und dass die Quelle der veröffentlichten Informationen genau anzugeben ist.

 

Möglichst nur Informationen benutzen, deren Richtigkeit erwiesen ist
Möglichst nur Informationen benutzen, deren Richtigkeit erwiesen ist. Informationsquellen, die sich streng oder weniger streng auf nachweisbare Angaben stützen, werden im Web immer zahlreicher. Die interessantesten sind leider nicht kostenlos zu nutzen. Hier einige Beispiele: UpToDate (kostenpflichtig) , Health On The Net, Die Cochrane library (kostenpflichtig, nur Abstracts sind kostenlos einsehbar), TripDatabase und Clinical Queries von PubMed.

 

Kritisch bleiben

Wir können nur hoffen, dass die intelligenten Internet-Navigatoren von morgen nur noch qualitativ hochwertige Informationen akzeptieren werden. Bis dahin aber muss der Benutzer von Informationen aus dem Internet diesen Publikationen stets kritisch gegenüber stehen [5]. Alle Websites, auf denen nicht mindestens der Name des Verfassers und seine Zuordnung, die Quellen und Publikationsdaten der veröffentlichten Informationen und der Aktualisierungen angegeben sind, sollten stets mit Vorsicht betrachtet werden [8].


  1. The invention of talk. BMJ 2002; 324 (Gratis-Zugang ).
  2. Eysenbach G, Diepgen TL. Towards quality management of medical information on the internet: evaluating, labelling, and filtering of information. BMJ 1998; 317:1496-502 (Gratis-Zugang).
  3. Gagliardi A, Jadad AR. Examination of instruments used to rate quality of health information on the internet: chronicle of a voyage with an unclear destination. BMJ 2002; 324: 569-573 (Gratis-Zugang).
  4. Eysenbach G, Köhler C. How do consumers search for and appraise health information on the world wide web? Qualitative study using focus groups, usability tests, and in-depth interviews. BMJ 2002; 324: 573-577 (Gratis-Zugang ).
  5. Delamothe T. Quality of Websites: kitemarking the west wind - Rating the quality of medical websites may be impossible. BMJ 2000:321:843-4 (Gratis-Zugang).
  6. Fox S, Lee R. The online health revolution: how the web helps Americans take better care of themselves. The Pew Internet and American Life Project, Washington DC, 26 November 2000 (Gratis-Zugang ).
  7. Pandolfini C, Impicciatore P, Bonati M. Parents on the web: risks for quality management of cough in children. Pediatrics. 2000 Jan;105(1):e1 (Gratis-Zugang).
  8. Sackett DL, Rosenberg WM, Gray MJ, Haynes RB. Richardson WS. Evidence-Based Medicine : What it is and what it isn't. BMJ 1996;312:71-2 (Gratis-Zugang )
Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 4. September 2013 )